Sozial- und wirtschaftshistorische Studien

Die Publikationsreihe ist seit 1972 am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien verankert und erscheint bei Böhlau Wien.

Mit 2019 vollziehen wir den Schritt zur Erweiterung und Internationalisierung sowohl in der inhaltlichen Profilierung als auch im neu zu konstituierenden HerausgeberInnenteam und eröffnen damit neue Gestaltungsräume.

HerausgeberInnen: Franz X. Eder, Peter Eigner, Thomas Ertl, Michaela Hohkamp, Andrea Komlosy, Erich Landsteiner, Ernst Langthaler, Margareth Lanzinger, Juliane Schiel, Annemarie Steidl und Birgit Studer

Wissenschaftlicher Beirat: Birgit Bolognese-Leuchtenmüller, Ernst Bruckmüller, Alois Ecker, Josef Ehmer, Herbert Knittler, Michael Mitterauer, Andrea Pühringer, Reinhard Sieder, Hannes Stekl, Dieter Stiefel

Die Sozial- und wirtschaftshistorischen Studien sind epochenübergreifend, transdisziplinär und international ausgerichtet. 

Das besondere Interesse der Reihe gilt sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen, Prozessen und Zusammenhängen in globalen und nationalen ebenso wie in regionalen und lokalen Perspektivierungen bis zur Gegenwart. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene werden dabei in ihren Interdependenzen, sozio-kulturellen Verflechtungen und politischen Implikationen verstanden. Offenheit gegenüber quantitativen und qualitativen Zugängen charakterisiert die Sozial- und wirtschaftshistorischen Studien seit ihren Anfängen. Die Reihe versteht sich zugleich als ein Forum, das neuen theoretischen und methodischen, konzeptuellen und empirischen Herausforderungen Raum bietet.

In der Reihe werden einschlägige Monographien und Sammelwerke veröffentlicht. Die Manuskripte durchlaufen ein Peer Review-Verfahren.

Falls Sie Ihr Manuskript für die Reihe einreichen möchten, bitten wir Sie, ein kurzes Exposé über den Inhalt an das Lektorat zu schicken:
Andrea Schnöller: andrea.schnoeller@univie.ac.at

Bisher erschienen

Zuletzt erschienen

Band 38
Ernst Langthaler

Schlachtfelder

Alltägliches Wirtschaften in der nationalsozialistischen Agrargesellschaft 1938-1945, Wien [u.a.] : Böhlau 2016, 940 S., Preis: € 90.00
ISBN: 978-3-205-20065-9 (=Sozial- und wirtschaftshistorische Studien ; 38)
235 mm x 155 mm

Diese Pionierstudie beleuchtet am Beispiel des Reichsgaues Niederdonau alltägliche Kräftefelder zwischen Nationalsozialismus und Agrargesellschaft, in denen ländliche Akteure untereinander und mit NS-Funktionsträgern um Ressourcen rangen. Das Entwicklungsprojekt des völkischen Produktivismus – die Erzeugung eines „rassisch“ und wirtschaftlich leistungsfähigen „Bauerntums“ – blieb zwar in technischer Hinsicht stecken. Jedoch stellte es in institutioneller Hinsicht die Weichen der Agrarentwicklung in Richtung einer alternativen Moderne jenseits von Liberalismus und Kommunismus.

Ernst Langthaler leitet das Institut für Geschichte des ländlichen Raumes in St. Pölten und lehrt als Privatdozent für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien.

Band 37
Klemens Kaps
Ungleiche Entwicklung in Zentraleuropa


Galizien war eine der ärmsten Regionen der Habsburgermonarchie und konnte im späten 19. Jahrhundert nur rudimentär an Industrialisierung und Wohlstandssteigerung anschließen. Die Ursachen für die gescheiterten Modernisierungsprojekte der imperialen Beamten und regionalen Eliten reichen bis in die Frühe Neuzeit zurück, als das spätere Galizien unter polnisch-litauischer Herrschaft zum Rohstofflieferanten Westeuropas abstieg. Die periphere Verflechtung mit überregionalen Märkten akzentuierte sich unter habsburgischer Ägide ab 1772 weiter: Die Wirtschaftspolitik des Wiener Hofs bevorzugte die böhmischen und österreichischen Zentren, geopolitische Umstände und regionale Interessenkonstellationen bremsten Entwicklungsimpulse. Klemens Kaps zeigt, wie die ungleichen überregionalen Verflechtungen im Zusammenspiel mit der imperialen Wirtschaftspolitik Galiziens Entwicklung zwischen 1772 und 1914 behinderten.

Klemens Kaps (Linz, 1980) ist Wirtschafts- und Sozialhistoriker und beschäftigt sich mit räumlicher wirtschaftlicher Ungleichheit in der Habsburgermonarchie zwischen dem 18. und dem frühen 20. Jahrhundert, der staatlichen Wirtschaftspolitik und mit sozialen und ökonomischen Diskursen aus postkolonialer Perspektive. Derzeit forscht er zu Handelsbeziehungen zwischen dem habsburgischen Zentraleuropa und Spanien und der Position von Kaufleuten im 18. Jahrhundert.